Katutura in Namibia - Die Tagesmütter brauchen unsere Unterstützung

Kututura ist ein Vorort von Windhoek, der Hauptstadt Namibias. In diesem Ort mit schwierigen sozialen Bedingungen unterstützen wir elf Tagesmütter, die unter bewundernswertem Engagement private Kindertagesstätten führen. Die Tagesmütter übernehmen die Betreuung und Erziehung von Kindern, die sonst den Tag auf der Straße verbringen müssten. Sie bekommen keine staatliche Unterstützung, und viele Mütter können den Kostenbeitrag von etwa € 10,00 monatlich nicht aufbringen.

Schon seit vielen Jahren konnte mit den Spendengeldern, die wir in unserer Gemeinde gesammelt haben, geholfen werden durch

  • Kauf von Lern-, Bastel-  und Spielmaterial, wie Papier, Stifte, Scheren, Klebzeug , Bücher etc
  • Kauf von Lebensmitteln
  • Bezahlung der städtischen Abgaben, Strom, Wasser, Telefon etc
  • Renovierungen
  • Neuanschaffungen, z.B. Photokopierer, Kletter- und Spielgeräte
  • Zuschuss für Schuluniformen

Frau Gisela Mittendorf (Schwester von Frau Wollenweber, der ehemaligen Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte an der Markuskirche), die unserer Gemeinde sehr verbunden ist,  hat lange Zeit nahe bei Katutura gelebt und kennt die Tagesmütter persönlich. Sie sorgt für die Verteilung der gespendeten Gelder an die Tagesmütter, die sie für ihre Arbeit verwenden.

Die Tagesmütter sind dankbar für jede Unterstützung. Die Bankverbindung für Ihre steuerlich abzugsfähige Spende: Konto 1010185021, BLZ 35060190 (KD-Bank), Verwendungszweck: Katutura  2814.00.2110.00.2212.00

 

Bericht von Frau Gisela Mittendorf über die Arbeit der Tagesmütter von Katutura

Der Ort Katatura

Katutura ist ein Stadtteil von Windhoek, der Hauptstadt von Namibia. Er wurde Ende der 50iger Jahre vor den Toren der Stadt für schwarze Arbeitnehmer/innen angelegt. “Katutura” ist ein Wort aus der Hererosprache und heisst soviel wie:”der Ort, an dem kein Bleiben ist”, also ein Ort, an dem man nicht leben will. Der Name lässt sich aus der Geschichte erklären, denn die Schwarzen wurden dorthin zwangsumgesiedelt im Rahmen des von Südafrika eingeführten Apartheidssystem. Mit der politischen Unabhängigkeit Namibias 1990  sind vielfältige Aenderungen eingetreten:

  • Nun gab es keine Zuzugsbeschränkung mehr , und immer mehr Menschen zogen in die Hauptstadt, nach Katutura, in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden, eine Ausbildung zu bekommen oder wenigstens bei Verwandten oder Freunden  Unterschlupf und Verpflegung zu bekommen. Fehlende Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten und immer wiederkehrende  Dürreperioden haben diesen Trend verstärkt.
  • Katutura wuchs und wuchs, viele neue Stadtteile entstanden, meist in Form von “Squatter camps”, informellen Siedlungsgebieten, d.h. mit tausenden von Wellblechhütten und armseligen Notunterküften aus Holzresten, Karton- und Plastikplanen.
  • Mit der verbesserten gesundheit;ichen Versorgung ist die Kindersterblichkeit reduziert und das Alter der Menschen heraufgesetzt. Die Zahl der Menschen nimmt zu.
  • Viele, wenn nicht gar die meisten Haushalte bestehen aus alleinerziehenden Frauen mit zahlreichen Kindern, die oft von verschiedenen Vätern stammen. Die Väter sind zwar vom Gesetz her heute verpflichtet, für ihre Kinder mitzusorgen, doch ist dieses Ideal aufgrund der grossen Arbeitslosigkeit nur selten zu realisieren. Die Arbeitslosigkeit wird auf mindestens 25% geschätzt.
  • Frühe Schwangerschaften, Befangenheit in traditionellen Denkweisen – Kinder als Statussymbol und Beweis der männlichen Potenz und daher Ablehnung bzw striktes Verbot  von Geburtenkontrolle seitens des Mannes – Unaufgeklärtheit und Armut, Vergewaltigungen, Alkoholismus, Krankheiten, mangelnde sanitäre Einrichtungen, unwürdige Wohnverhältnisse und die sozio-ökonomische Unselbständigkeit  und fehlende Selbstsicherheit der Frauen erschweren die trostlose Situation von Müttern und Kindern. Viele Kinder bleiben unbeaufsichtigt, werden oft im Haus eingeschlossen oder  sind den Gefahren der Strasse ausgesetzt.

Das Engagement der Tagesmütter von Katatura

Angesichts dieser Tatsachen ist es höchst bemerkenswert, dass Frauen selbstmotiviert und mittellos die Initiative ergriffen haben, sich um die Kinder in der Nachbarschaft zu kümmern. Die wenigen Möbel wurden tagsüber an die Wand geschoben, um Platz zu schaffen für die Kinder. Säuglinge wurden in Pappkartons oder Obstkisten untergebracht, Kleinkinder zum Ausruhen auf Decken am Boden gelegt.  Die Kinder werden hier nicht nur behütet, sondern auch zum Spielen und Lernen angeregt. Sehr schnell ist die Zahl der betreuten Kinder auf 40, 50, ja sogar 80 und mehr herangewachsen. Die Tagesmütter bemühen sich nach besten Kräften, die Kinder zu förden; sie nehmen an Kursen zur frühkindlichen Erziehung teil und nutzen jede Gelegenheit, sich weiter fortzubilden. So habe ich mich  auch mehrere Jahre lang am letzten Sonntag eines Monats mit ihnen getroffen, um sie in ihrer Motivierung zu bestärken,  um ihnen zu helfen, ihre Englischkenntnisse zu verbessern und Probleme verschiedener Art zu besprechen und zu lösen .  Das war zugleich eine gute Gelegenheit für alle, sich besser kennenzulernen , voneinander zu lernen und auch viel miteinander zu lachen. 

Seit 1986 habe ich versucht, den Tagesmüttern zu helfen und sie zum Weitermachen zu ermuntern trotz der vielen , vorwiegend finanziellen Probleme. In dem Bemühen, die Projekte bekannt zu machen und sie Besuchern zu zeigen, ist es mir im Laufe der Jahre gelungen, Freunde, Verwandte und andere Privatpersonen sowie verschiedene nichtstaatliche Organisationen dafür zu interessieren und zu motivieren,  Spendengelder zur Verfügung zu stellen.

Gerne erinnere ich mich an eine meiner ersten Hilfeleistungen, den Aufbau eines Schattendachs bei Frau Lily Mogagabe, aus dem dann später ein ganzer mit Backsteinen gemauerter Klassenraum entstehen konnte!

Im Verlauf  vieler Jahre war es möglich, bei vielen Tagesmüttern Verbesserungen durchzusetzen, zum Beispiel:

  • Klassenräume anzubauen
  • Toiletten, Wasch- und Duschgelegenheiten zu installieren
  • Tische und Stühle anzuschaffen
  • Liegematten und Wolldecken zu besorgen
  • Spiel- und Lernmaterial bereitzustellen
  • Spiel- und Klettergeräte, Schaukeln etc zu errichten
  • Schattennetze aufzustellen
  • Gemüsebeete anzulegen und Bäume zu pflanzen
  • Solaröfen mit Töpfen zu verteilen
  • eine Bücherei einzurichten
  • individuelle Hilfe durch Patenschaften zu ermöglichen
  • gebrauchte Kleidung und Stofftiere zu verteilen
  • finanzielle Hilfe zum Kauf von Lebensmitteln zu ermöglichen
  • finanzielle Hilfe für laufende Ausgaben, wie Wasser, Strom, Müllabfuhr

Die Finanzierung der Kindergärten

Ein Hauptproblem ist nach wie vor die schwache Finanzlage. Der Staat gibt keinen Zuschuss. Nicht alle Mütter können den monatlichen Unkostenbeitrag von durchschnittlich N$ 100,00 (= Euro 10,00) pro Kind aufbringen. Die Kinder werden deswegen aber nicht weggeschickt und ihrem Schicksal überlassen, sondern weiterhin mitbetreut und verpflegt. Viele Kinder werden frühmorgens gebracht, ohne etwas gegessen zu haben, und sie bekommen dann morgens und mittags eine Mahlzeit. Nicht selten kommt es vor, dass Kinder, ohne es vorher verabredet zu haben ,   abends gar nicht abgeholt werden; dann ist es selbstverständlich und kein Thema, dass sie bei der Tagesmutter übernachten und beköstigt werden.

Es ist keine leichte Arbeit, zu der die Tagesmütter sich entschieden haben, und sie werden niemals einen finanziellen Gewinn daraus erzielen; umso eindrucksvoller ist die Kontinuität ihres selbstlosen Einsatzes.

Ein grosses Problem ist auch die wachsende Zahl von Aids-Waisen; fast alle “unsere” Tagesmütter haben  Kinder bei sich zuhause aufgenommen und helfen ihnen zu überleben

Seit dem Jahr 2000 wurden die Spendengelder der Evg. Kirchengemeinde Süd in Krefeld zum Teil von Frau Jutta Rohwer, zum Teil von mir direkt an Tagesmütter ausbezahlt.. Nach dem vorzeitigen Tod von Jutta Rohwer gelang es, den Kontakt mit Frau Justina Stephanus, eine der Tagesmütter, zu intensivieren.. Justina ist mir persönlich bekannt seit vielen Jahren als eine besonders zuverlässige, vertrauenswürdige, stark engagierte, junge Frau, die den von ihrer Mutter initiierten Kindergarten in vorbildlicher Weise weiterführt..

Sie hat es geschafft, die Gruppe der von uns betreuten Tagesmütter zu regelmässigen monatlichen Zusammenkünften zu versammeln, um Probleme zu besprechen und Erfahrungen auszutauschen.

Es ist auch vorteilhaft , dass  ich mit ihr durch Telefon und  e-mail den Kontakt pflegen kann. So habe ich auch von den neuen Bestimmungen des Ministeriums für Frauen und Kinderwohlfahrt erfahren, die eine amtliche Registrierung aller Einrichtungen  verlangen. Dazu müssen allerlei Anforderungen erfüllt werden, z.B. das Vorhandensein von mindestens zwei Toiletten und ein Maximum von 25 Kindern. Letzteres bereitet vor allem Kopfzerbrechen, da  durchschnittlich 50-60 Kinder betreut werden. Es bleibt zu hoffen, dass derartige bürokratische Regelungen vorerst nur auf dem Papier bestehen.

Ich bin froh, mit Frau Justina Stephanus eine Kontaktperson gefunden zu haben, die mich auf dem Laufenden hält über die Entwicklungen in den Kindergärten. Ganz bewusst habe ich sie nicht mit der Aufgabe belastet, die Verwendung der Spendengelder  zu kontrollieren; denn über die Jahre habe ich soviel Vertrauen in die 11 Tagesmütter aufbauen können, dass ich es mit gutem Gewissen den einzelnen Frauen überlassen kann zu entscheiden, in welcher Weise sie die Geldspenden verwenden. Ich bin froh und dankbar, mich ganz auf sie und ihre Ehrlichkeit verlassen zu können, 

Nach jahrelanger Zusammenarbeit kann ich nur immer wieder betonen, dass diese Frauen mit Initiative und Engagement grösste Bewunderung, Anerkennung und Unterstützung verdienen. Ihr selbstloser Einsatz, ihnr mit geduldigem Lächeln getragenes Durchhaltevermögen und Ueberwinden von Schwierigkeiten, ihre Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit  sind beispielhaft. Sie sind ehrlich und aufrichtig bemüht, das Beste für die ihnen anvertrautenKinder zu erreichen. Wenn Mitte Januar das neue Schuljahr beginnt, wird ihren Kindern ein vergleichsweise besserer Start ihrer Schullaufbahn ermöglicht sein als anderen Kindern, die nicht gefördert wurden.

Im Allgemeinen werden die Spenden eingesetzt für

  • weiteres Lern-, Bastel-  und Spielmaterial, wie Papier, Stifte, Scheren, Klebzeug , Bücher etc
  • den Kauf von Lebensmitteln
  • Bezahlung der städtischen Abgaben, Strom, Wasser, Telefon etc
  • Renovierungen
  • Neuanschaffungen, z.B. Photokopierer, Kletter- und Spielgeräte
  • Zuschuss für Schuluniformen. 

Alle Unterstützung wird gesehen als Hilfe zur Selbsthilfe. Alle bisher geleisteten Spendenbeiträge haben geholfen, diesem Ziel näher zu kommen. Im Namen der 11 Tagesmütter sage ich: herzlichen Dank! 

Gisela Mittendorf, November 2011