Kirche und Konfessionen in Krefeld

Die Reformierten

Ende September Anfang Oktober 1607 hat der Oranier Prinz Moritz von Oranien den katholischen Pastor abgesetzt und den reformierten Prediger Xylander eingesetzt, damit wurde die Alte Kirche als Pfarrkirche den Katholischen weggenommen und für die Reformierten in Besitz genommen. Alles, was an Katholizismus erinnerte z.B. Altäre etc wurde herausgebrochen. Es gab nur noch einen Abendmahlstisch, kein Kreuz, kein Kerzenleuchter, keine Bilder, es gab eine Bibel, einen silbernen Kelch für das Abendmahl und eine Taufschale aus Zinn.

Weiterhin war das Kloster Meer der Patronatsherr der Pfarrkirche, durfte aber nicht mehr den Pastor bestellen bzw. bestimmen, dafür aber den Unterhalt zahlen und zwar bis 1744.

Es herrschte bis 1770 die oranische Kirchenordnung vor, in der der Heidelberger Katechismus im Zentrum steht. Der Calvinismus als Theologie des Wortes bezeichnet die Sakramente als Siegel des Wortes.

Das Sakrament entfaltet seine Wirkung nicht wie im Katholizismus als solche bereits im Sakrament also im Bereitstellen des Sakramentes, sonder erst im Empfänger, d.h. je nachdem wie sich der Empfänger auf das Sakrament vorbereitet hat, wirkt es oder auch nicht.

Abendmahl wurde nur viermal im Jahr gefeiert: Ostern, Pfingsten, Weihnachten und ein weiterer Tag im Herbst. Die Abendmahl-Teilnehmer waren die Gemeinschaft der Gläubigen. Das reformierte Konsistorium wachte mit strenger Kirchenzucht über die Reinhaltung der Gemeinde.

In der Woche wurde eine Predigt gehalten, sonntags drei: eine Früh- eine Vormittags- und eine Nachmittagspredigt.

Das Konsistorium bestand aus den 2 Predigern, den 2 Ältesten, die für Gemeindezucht zuständig waren, 2 Kirchmeistern (Finanzen) und 2 Provisoren für die Armenpflege.

Oft waren die Mitglieder des Konsistoriums zugleich auch Mitglieder des Magistrats. Im 17. und 18. Jh. Ist bekannt, daß ein Katholik im Magistrat war, in der 2. Hälfte des 18. Jh. Gibt es vermehrt auch Lutheraner im Magistrat. 

In der Franzosenzeit kam es zu einer Gleichstellung der protestantischen Gemeinden im kurkölnischen Umland mit der kath Kirche. In Krefeld wurde die evang. Kirche genauso wie die katholische zur Staatskirche, d.h. die Pfarrer wurden quasi zu Staatsbeamten. 1804 kam es zur Enteignung des Kirchenvermögens durch Napoleon, fortan erhielten die Geistlichen einen Gehaltszuschuß. Die Geistlichen mußten franz. Staatsbürger werden als staatliche Amtsträger, mußten Gebete für den Statt abhalten, innerkirchliche Streitigkeiten wurden jetzt von den Behörden entschieden, was ein krasser Bruch mit de bisherigen synodalen Selbstverwaltung darstellt. Es wurden Konsistorialkirchen geschaffen. Das Verhältnis zwischen Reformierten und Lutheranern entspannt sich und bereitet so die Verwaltungsunion von 1817 bereits vor. In einigen Orten u.a. Köln, Neuss, Aachen und Geldern gibt es bereits förmliche Vereinigungen bevor 1817 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. ein Aufruf zur Gründung einer Kirchen-Union erlassen wird. 1821 wird die Evangelische Kirche in Preußen als Verwaltungsunion (nicht als Bekenntnisunion) gegründet.

Die Lutheraner

Kommen im ersten Drittel des 18. Jh. nach Krefeld. Sie werden vom Duisburger Pfarrer mitbetreut. 1755 können sie sich  eine eigene Kirche bauen. Sind finanziell schlechter gestellt als die Reformierten, weil sich die lutherische Gemeinde hauptsächlich aus Arbeitern zusammensetzt, die Reformierten  sind zumeist Bürger, Händler oder Handwerker, außerdem hatte die reformierte Gemeinde das Recht, einen Zehnten zu erheben, was sie auch tat.

Das 19. Jahrhundert

1815 kommen die Westprovinzen Westfalen und Rheinland zu Preußen. In der Gegend um Krefeld, also das Fürstentum Moers, zu dem Krefeld gehörte, aber auch das Fürstentum Jülich-Kleve-Berg sind stark reformiert geprägt. D.h. die Kirche hat seit der Reformationszeit eine eigene staatsunabhängige, presbyterial-synodale Kirchenverfassung gehabt, die dem Staat nur ein Aufsichtsrecht einräumt. Die Bestätigung dieser Verfassung wird nun beim preußischen König erbeten. Der König konnte sich allerdings eine sich selbst regierende Kirche kaum vorstellen, sie trug nach seinem Verständnis etwas Revolutionäres in sich, außerdem sah er sich als von Gott eingesetzter, für die Kirche verantwortlicher Herrscher. Hinzu kam der Agendenstreit zwischen Berlin und dem Rheinland.

Am 22. Juni 1821 beschlossen beide evang. Gemeinden in Krefeld sich zu vereinigen. Die reformierte Gemeinde zählte 4000, die lutherische Gemeinde 1000 Mitglieder, es gab je einen Pfarrer. Die Feier der Union wurde am 18. August 1822 gehalten. 1850 Errichtung einer 3. Pfarrstelle, da die Zahl der Gemeindeglieder auf 9000 angewachsen ist. 1874 wird die Friedenskirche gebaut. 1889 wird der vierte Pfarrer berufen, mittlerweile beläuft sich die Zahl der Evangelischen in Krefeld auf ca. 20.000. 1894 bereits werden zwei weitere Pfarrstellen genehmigt bei mittlerweile ca. 25.000 Evangelischen. Die Gemeinde wird in 6 Amtsbezirke geteilt. Zu dem 3. Amtsbezirk gehört neben Oppum und Fischeln-Ost auch Osterath. 1901 wird die Lutherkirche, 1904 die Pauluskirche gebaut, 1910 werden die Bezirksgrenzen revidiert, Osterath gehört jetzt zum Nordostbezirk und damit zur Friedenskirche, es gab zu dieser Zeit ca. 100 Evangelische in Osterath.

Ab ca. 1887 wird das Gottesdienstleben in Krefeld liturgischer, es setzen sich mehr und mehr Wechselgesänge durch, allerdings lehnt das Presbyterium noch 1917 ab, dass sich die Gemeinde während des Gottesdienstes erheben solle. Ab 1907 gibt es in der Pauluskirche Einzelkelche beim Abendmahl.